Wenn Erinnerungen leiser werden – Teil 2
„Weißt du noch, wer ich bin?“
Für Angehörige ist diese Frage verständlich. Sie entsteht aus Hoffnung, Sorge und manchmal aus der Angst, vergessen zu werden. Für einen Menschen mit Demenz kann sie jedoch zu einer Prüfung werden, die er nur verlieren kann.
Hilfreicher ist eine freundliche Vorstellung:
„Hallo Mama, ich bin es, Anna.“
Damit wird keine Erinnerung verlangt. Stattdessen entsteht Orientierung.
Weniger Worte können mehr Verbindung schaffen
Lange Erklärungen, mehrere Fragen auf einmal oder eine große Auswahl können überfordern. Häufig helfen:
- kurze und klare Sätze;
- nur eine Frage zur gleichen Zeit;
- wenige Auswahlmöglichkeiten;
- ausreichend Zeit für eine Antwort;
- ein ruhiger Ton und Blickkontakt auf Augenhöhe.
Einfache Sprache bedeutet dabei nicht Babysprache. Menschen mit Demenz sind erwachsene Menschen mit einer langen Lebensgeschichte.
Nicht jede Korrektur hilft
Wenn ein falsches Wort benutzt oder eine Geschichte wiederholt wird, bringt eine Korrektur häufig keinen Nutzen. Sie kann jedoch Verlegenheit und Frustration auslösen.
Auch der Hinweis „Das hast du gerade schon erzählt“ ändert nichts daran, dass die betreffende Person sich an das vorherige Gespräch nicht erinnern kann.
Manchmal ist es besser, erneut zuzuhören oder freundlich auf ein anderes Thema überzugehen.
Die Botschaft hinter den Worten suchen
Ein Satz muss nicht sachlich richtig sein, um etwas Wichtiges mitzuteilen.
Wenn jemand sagt: „Ich muss nach Hause“, obwohl er bereits zu Hause ist, kann dahinter der Wunsch nach Sicherheit stehen. Wer morgens unbedingt zur Arbeit möchte, sucht vielleicht eine Aufgabe oder das Gefühl, gebraucht zu werden.
Die entscheidende Frage lautet dann nicht nur:
„Stimmt das, was gesagt wurde?“
Sondern auch: „Was möchte mir dieser Mensch gerade über sein Gefühl oder sein Bedürfnis mitteilen?“
Gute Kommunikation mit Menschen mit Demenz ist kein perfektes Gespräch. Sie ist der Versuch, auch dann in Verbindung zu bleiben, wenn die gemeinsamen Worte weniger werden.
Hinweis: Plötzliche oder ungewöhnlich starke Veränderungen der Sprache und Orientierung sollten medizinisch abgeklärt werden. Nicht jede Verwirrtheit ist automatisch eine Demenz.

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