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Muss man Menschen mit Demenz immer in ihrer Realität lassen?

Ältere Frau betrachtet mit einer jüngeren Frau ein Familienfoto; Bildtext: Gefühle ernst nehmen.

Wenn Erinnerungen leiser werden – Teil 3

Eine Frau wartet auf ihren Ehemann, obwohl dieser vor vielen Jahren gestorben ist. Ein Mann möchte zur Arbeit fahren, obwohl er längst im Ruhestand lebt.

Soll man ihnen jedes Mal die Wahrheit sagen? Soll man sie korrigieren? Oder sollte man so tun, als wäre ihre Vorstellung richtig?

Darauf gibt es keine Regel, die in jeder Situation funktioniert.

Nicht jede sachliche Wahrheit hilft

Wer einen Menschen immer wieder mit einem schmerzhaften Verlust konfrontiert, kann bewirken, dass dieser die Trauer bei jeder Erklärung erneut erlebt. Die Information wird vergessen – das Gefühl bleibt.

Statt sofort zu korrigieren, kann man nach dem Gefühl fragen:

„Du vermisst ihn heute sehr, oder?“

Oder: „Was hast du an deiner Arbeit besonders gemocht?“

Damit wird keine erfundene Geschichte ausgebaut. Aber das dahinterliegende Bedürfnis wird ernst genommen.

Gefühle bestätigen, ohne jede Aussage bestätigen zu müssen

Es besteht ein Unterschied zwischen „Ich sehe, dass dich das beunruhigt“ und „Ja, genau so ist es.“

Wir können Angst, Trauer oder Sehnsucht anerkennen, ohne jede falsche Annahme weiterzuführen.

Manchmal hilft Ablenkung. Manchmal eine Erinnerung. Manchmal eine vertraute Tätigkeit. Und manchmal genügt es, einfach dabeizubleiben.

Sicherheit setzt Grenzen

Wenn jemand glaubt, zur Arbeit fahren zu müssen und deshalb ins Auto steigen möchte, kann man diese Vorstellung nicht einfach laufen lassen. Auch bei Medikamenten, offenen Türen, Herdplatten, Geldgeschäften oder dem Verlassen der Wohnung muss Sicherheit mitgedacht werden.

Würde bedeutet nicht, jede Handlung ungeprüft zuzulassen. Sie bedeutet, notwendige Grenzen so respektvoll und schonend wie möglich zu gestalten.

Die bessere Frage lautet daher nicht: „Soll ich immer korrigieren oder immer mitgehen?“ Sondern:

„Was braucht dieser Mensch gerade – und besteht eine Gefahr?“

Hinweis: Wiederkehrende schwierige Situationen können gemeinsam mit einer Pflegeberatungsstelle, dem Hausarzt oder einer spezialisierten Demenzberatung betrachtet werden.

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