Es gab an unserer damaligen Strecke einen Parkplatz, auf dem wir uns regelmäßig trafen. Seine Zufahrt führte in einer schönen Kurve über das Gelände und auf der anderen Seite wieder zurück auf die Straße.
Wer es beherrschte – oder zumindest glaubte, es zu beherrschen –, konnte dort mit hoher Geschwindigkeit und in deutlicher Schräglage einfahren, den Parkplatz überqueren und anschließend weiter beschleunigen. Für uns war das damals eine Herausforderung. Etwas, das spektakulär aussah und innerhalb der Gruppe Anerkennung brachte.
Bis zu jenem Tag.
Zwei Fahrer, zwei Richtungen
Zwei unserer Freunde näherten sich dem Parkplatz gleichzeitig aus entgegengesetzten Richtungen. Offenbar hatten beide im selben Augenblick dieselbe Idee: durch die Kurve, über den Parkplatz und auf der anderen Seite wieder hinaus.
Keiner konnte sehen, dass ihm jemand entgegenkam.
Sie trafen sich frontal. Beide waren vermutlich mit ungefähr 180 Kilometern pro Stunde unterwegs. Die Motorräder waren danach kaum noch als solche zu erkennen. Für beide Fahrer kam jede Hilfe zu spät.
Einer von ihnen hieß Andrzej. Zwei Wochen später hätte er heiraten sollen.
Was danach übrig blieb
Aus dem vermeintlichen Spaß, aus wenigen Sekunden Geschwindigkeit und aus einer Entscheidung, die wir damals für beherrschbar hielten, wurde eine Tragödie, die sich nicht zurücknehmen ließ.
Danach blieb keine Geschichte über Mut, Fahrkönnen oder schnelle Motorräder übrig. Es blieben zwei leere Plätze in unserer Gruppe. Es blieben Familien, Freunde und eine Frau, deren Hochzeit niemals stattfinden würde.
Manchmal reicht es, wenn zwei Menschen im selben Moment dieselbe Idee haben.
Beide kannten die Strecke. Beide konnten gut fahren. Beide hatten das Manöver schon zuvor geschafft. Doch keiner konnte kontrollieren, was außerhalb seines Blickfeldes geschah.
Genau darin steckt die gefährliche Täuschung: Man kann vielleicht seine Maschine beherrschen. Man kann jedoch niemals die gesamte Straße, den Gegenverkehr, andere Menschen, Tiere, technische Defekte oder den nächsten unerwarteten Augenblick kontrollieren.
Die Unbeteiligten haben nie zugestimmt
Bei einem illegalen Rennen tragen nicht nur die Fahrer das Risiko. Auch andere Verkehrsteilnehmer, Anwohner, Ersthelfer und Einsatzkräfte werden ohne ihre Zustimmung zu Beteiligten.
Die Menschen auf der Gegenfahrbahn haben sich nicht für ein Rennen angemeldet. Die Familie, die später im Krankenhaus wartet, ebenfalls nicht. Und auch der Mensch, der als Erster an einem zerstörten Fahrzeug ankommt, kann die Bilder nicht einfach am Einsatzort zurücklassen.
Öffentliche Straßen verzeihen keine Annahme wie „Hier kommt um diese Uhrzeit normalerweise niemand“. Das Wort „normalerweise“ genügt bei 180 Kilometern pro Stunde nicht.
Heute ist auch das sogenannte Alleinrennen strafbar
Der Begriff „Autorennen“ oder „Straßenrennen“ klingt nach zwei Fahrzeugen nebeneinander. Nach deutschem Recht kann jedoch auch ein einzelner Fahrer den Tatbestand erfüllen, wenn er sich mit nicht angepasster Geschwindigkeit grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen.
Das ist wichtig, weil die Gefahr nicht erst entsteht, wenn zwei Menschen eine Startlinie vereinbaren. Sie beginnt dort, wo jemand die öffentliche Straße zur persönlichen Teststrecke macht.
Unsere Geschichte spielte lange vor der heutigen gesetzlichen Regelung. Die physikalische Grenze galt jedoch schon damals: Geschwindigkeit verkürzt nicht nur die verfügbare Reaktionszeit. Sie verkleinert auch den Raum, in dem ein Fehler noch korrigiert werden kann.
Keine Helden, keine Monster
Wir erzählen diese Geschichte nicht, um die beiden Verstorbenen zu verurteilen. Sie waren unsere Freunde. Sie waren keine Monster und wollten an diesem Tag vermutlich niemandem schaden.
Gerade deshalb muss man darüber sprechen. Tragödien entstehen nicht nur durch Menschen, die Böses wollen. Manchmal entstehen sie durch vertraute Menschen, gute Fahrer und einen Gedanken, der sich für wenige Sekunden harmlos anfühlt.
Im dritten Teil fragen wir, wer nach einem illegalen Rennen die Rechnung bezahlt – menschlich, organisatorisch und finanziell – und wo Geschwindigkeit einen sicheren, legalen Raum finden kann.

