SOWIESO erklärt KI · ohne Nebel, ohne Fachchinesisch · Teil 02
Es ist einer dieser Sätze, die im Alltag vollkommen normal klingen:
„Mach das mal schön.“
Der eine weiß vielleicht sofort, was gemeint ist. Der andere denkt: Schön wie? Kürzer? Freundlicher? Bunter? Seriöser? Moderner? Mit weniger Text? Mit mehr Bildern?
Und schon sind wir mitten im heutigen KI-Wort:
Prompt.
Ein Prompt ist zuerst einmal ein Auftrag
Ein Prompt ist die Eingabe, die wir einem KI-System geben. Das kann eine Frage sein, eine Anweisung, ein Text, eine Beschreibung oder eine Kombination daraus.
Ganz einfach gesagt: Ein Prompt sagt der KI, was sie von uns bekommt und was wir von ihr erwarten.
Das klingt unspektakulär. Und genau das ist gut so.
Denn ein Prompt ist keine Zauberformel und kein geheimes Kommando, mit dem man eine Maschine plötzlich „intelligent“ macht. Er ist vor allem eine Form von Kommunikation.
Das Problem beginnt oft vor der KI
Nehmen wir wieder unseren Satz:
„Mach das mal schön.“
Ein Mensch, der uns seit Jahren kennt, ergänzt vielleicht automatisch, was wir meinen. Er kennt unseren Geschmack, unsere Gewohnheiten und vielleicht sogar die Situation.
Eine KI hat diese gemeinsame Lebensgeschichte nicht automatisch.
Also muss der Auftrag oft etwas sichtbarer werden.
Statt nur:
„Mach das mal schön.“
könnte man sagen:
„Formuliere diesen Text freundlicher und verständlicher. Er soll für Menschen ohne Fachwissen lesbar sein. Kürze lange Sätze, aber behalte alle wichtigen Informationen.“
Plötzlich ist viel klarer, was „schön“ in diesem Fall überhaupt bedeutet.
Gute Prompts bestehen nicht unbedingt aus vielen Wörtern
Manchmal entsteht der Eindruck, ein guter Prompt müsse möglichst lang, technisch oder kompliziert sein.
Das stimmt so nicht.
Ein guter Prompt muss vor allem die Informationen enthalten, die für die Aufgabe wichtig sind.
Dazu können zum Beispiel gehören:
- Was soll gemacht werden?
- Für wen ist das Ergebnis gedacht?
- Welche Informationen müssen erhalten bleiben?
- Welcher Ton oder Stil ist erwünscht?
- Gibt es Grenzen oder Dinge, die ausdrücklich nicht gemacht werden sollen?
Je wichtiger eine Aufgabe ist, desto weniger sollte man darauf hoffen, dass die andere Seite schon irgendwie errät, was gemeint war.
Das kennen wir längst aus dem Alltag
Eigentlich ist das keine neue KI-Weisheit.
Wenn wir einem Handwerker sagen:
„Mach das da ordentlich.“
… dann kann das funktionieren. Es kann aber auch passieren, dass „ordentlich“ für zwei Menschen etwas völlig Unterschiedliches bedeutet.
Bei einer wichtigen Bestellung schreiben wir deshalb Maße auf. Bei einem Termin nennen wir eine Uhrzeit. Bei einer Adresse nennen wir Straße und Hausnummer.
Wir machen den Auftrag genauer, wenn Missverständnisse Folgen haben können.
Aber Vorsicht: Ein guter Prompt garantiert kein richtiges Ergebnis
Hier wird es wichtig.
Auch ein hervorragend formulierter Prompt macht aus einer KI keine unfehlbare Quelle.
Das System kann Informationen falsch einordnen, etwas erfinden, wichtige Zusammenhänge übersehen oder auf veralteten beziehungsweise unvollständigen Grundlagen arbeiten.
Ein klarer Auftrag verbessert die Aufgabe. Er ersetzt aber nicht die Prüfung des Ergebnisses.
Das ist ein Unterschied, den man sich merken sollte.
Prompting hilft dabei, deutlicher zu sagen, was wir wollen.
Ob die Antwort stimmt, sinnvoll ist oder in einer konkreten Situation wirklich verwendet werden darf, ist eine andere Frage.
Manchmal liegt der Fehler also gar nicht „bei der KI“
Wenn ein Ergebnis völlig an unserer Absicht vorbeigeht, lohnt sich deshalb eine einfache Frage:
War mein Auftrag eigentlich so klar, wie ich dachte?
Das heißt nicht, dass jeder Fehler des Systems plötzlich unsere Schuld wäre.
Es heißt nur: Bevor wir beurteilen, warum etwas schiefgegangen ist, sollten wir unterscheiden zwischen einem unklaren Auftrag und einem fehlerhaften Ergebnis.
Auch das ist Orientierung.
Unser Merksatz für heute
Ein Prompt ist kein Zauberspruch.
Er ist ein Auftrag.
Und je wichtiger die Aufgabe, desto klarer sollte dieser Auftrag sein.
SOWIESO Orientierungsnetzwerk Hesel
Kostenfreie öffentliche Orientierung rund um digitale Fragen, KI und den Umgang mit neuen Technologien.
Wir wollen nicht voraussetzen, dass Menschen die Sprache von Technikfirmen, Laboren oder Hochschulen bereits kennen. Wir übersetzen sie zuerst einmal in normales Deutsch.
Im Rahmen unserer verfügbaren Kapazitäten greifen wir ausgewählte Fragen aus dem Alltag auf.
Nächste Folge:
Kontext — warum derselbe Satz morgen etwas anderes bedeuten kann.
